Kein Sommerlochthema

Gesundheitspolitischen Frühstück

Siegen, 6. Juli 2017 (MKS) - Mit einem gesundheitspolitischen Frühstück verabschiedeten die Krankenhäuser der Region Siegen-Wittgenstein-Olpe die heimischen Mandatsträger aus Europaparlament sowie aus Bundes- und Landtag in die Sommerpause. Die Krankenhäuser in Siegen-Wittgenstein und Olpe stellen die stationäre medizinische Versorgung für etwa 450.000 Bürger der Region sicher. Die Lage im Dreiländereck von Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz bewirkt, dass zusätzlich weitere 20 Prozent der Patienten aus angrenzenden Regionen kommen. Die Häuser beschäftigen circa 10.000 Menschen und erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von über 600 Millionen Euro. Durch die seit Jahren anhaltende Unterfinanzierung der Kliniken sehen diese die Qualität der Versorgung erheblich gefährdet. Letztendlich droht ein weiterer Abbau von Arbeitsplätzen. Ziel der Politik müsse es daher sein, Lösungen für den Investitionsstau in den Kliniken zu bieten.

„Krankenhäuser gehören als wichtiges Element der Daseinsvorsorge zur zentralen Infrastruktur des Landes. Entsprechend ihres Investitionsbedarfs sind sie zu fördern“, erklärt Hans-Jürgen Winkelmann, Geschäftsführer des St. Marien-Krankenhauses Siegen. Die Gesellschaft habe einen Anspruch auf ein modernes Umfeld der medizinischen Leistungserstellung, das die qualitativ hochwertige Krankenhausversorgung in der Region Siegen-Wittgenstein-Olpe auch zukünftig sicherstellt. „Die Krankenhäuser weisen in der medizinischen Versorgung eine hohe Qualität auf. In Zukunft wird es jedoch immer schwieriger, eine ausreichende Zahl von gut qualifizierten Personal zu finden“, ergänzt Dr. Josef Rosenbauer, Geschäftsführer der Diakonie in Südwestfalen. Gleichzeitig müssten die Krankenhäuser den Anforderungen einer älter werdenden Gesellschaft, einer zunehmenden Resistenz von Keimen und einer zunehmend vernetzten, digitalen Welt gerecht werden. „Wir brauchen für eine hochwertige, innovative, flächendeckende und wohnortnahe Versorgung erwachsener wie junger Patienten besonders leistungsfähige Krankenhausstrukturen“, sagt Stefanie Wied, Geschäftsführerin der DRK-Kinderklinik.

Johannes Schmitz, Geschäftsführer der Hospitalgesellschaft Südwestfalen, unterstreicht diese Aussagen und betont: „Die Krankenhäuser schultern die vielfältigen Aufgaben im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Jetzt muss jedoch das Land endlich seiner Verpflichtung einer bedarfsgerechten Investitionsfinanzierung nachkommen und die strukturellen Veränderungen unterstützen.“ Genauso sieht das auch Betram Müller, Geschäftsführer des Kreisklinikums Siegen, der zusätzlich darauf hinweist, dass hierzulande die Kliniken deutlich weniger Investitionsmittel erhielten als jene in anderen Bundesländern: „In den letzten Jahren konnten wir beobachten, dass sich das Land reichlich geschickt aus der eigentlich dringend erforderlichen Verbesserung seiner finanziellen Mitverantwortung für die Krankenhäuser gestohlen hat.“ Er verweist dabei auf eine Studie, die jüngst vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung herausgegeben wurde.

„Die Krankenhäuser in unserer Region haben in den letzten Jahren viel geleistet, um die Versorgungstrukturen in unserem Versorgungsgebiet effizienter zu gestalten. In den letzten 20 Jahren wurden rund 20 Prozent der Betten abgebaut und entsprechende Zentren geschaffen“, skizziert Hans-Jürgen Winkelmann die Entwicklung. Die durchschnittliche Verweildauer der Patienten habe um fast die Hälfte gesenkt werden können. Weitere Maßnahmen wie der Abbau von zusätzlichen Betten seien im vollen Gange. „Bei alldem bleibt der Investitionsbedarf bestehen und es dürfen Herausforderungen wie die Digitalisierung nicht verschlafen werden“, so Winkelmann.

Fest stehe, dass das akute Loch bei den Landesfördermitteln für Kliniken den Bestand der Krankenhäuser gefährdet. „Das spüren schon jetzt die Patienten, die bisher eine ausgezeichnete, wohnortnahe medizinische Versorgung gewohnt waren. Mit der fortschreitenden Auszehrung der Kliniken wird die vorhandene Versorgungsqualität unweigerlich reduziert“, stellen die Geschäftsführer unisono fest.

Faktencheck

In den letzten 20 Jahren in NRW

  • Abbau von rund 20% der Betten in den letzten Jahren
  • Weiterer Abbau von rund 8.500 Betten derzeit in Umsetzung
  • Schließung von über 40 Krankenhaus-Standorten
  • Rückgang der durchschnittlichen Verweildauer um rund 42% (12,6 in 1995 auf 7,3 Tage heute)
  • Steigende Fallzahlen um circa 29 Prozent (3,53 Mio. in 1995 auf 4,55 Mio. heute)
  • Koalitionäre attestieren NRW einen letzten Platz bei Investitionsförderung

In den letzten 20 Jahren in Siegen-Wittgenstein-Olpe

  • Kliniken beschäftigen etwa 10.000 Mitarbeiter in der Region
  • Sie versorgen jährlich etwa ½ Million Menschen auf höchsten Niveau
  • Ein jährliches Umsatzvolumen von etwa 650 Mio. Euro wird generiert
  • Es werden jährlich circa 400 Mio. Euro Wertschöpfungseffekte freigesetzt
  • Kliniken haben die höchste regionale Wertschöpfungstiefe aller Branchen
  • Investitionsstau alleine in Siegen Wittgenstein über 250 Mio. Euro
  • Jährlich fehlen 30 Mio. Euro Investitionsförderung für Krankenhäuser
     

An diese Aussage (16. Juni 2017) werden die Kliniken in Siegen-Wittgenstein-Olpe den neuen Ministerpräsidenten im Lauf der Legislaturperiode erinnern:

„Das Defizit ist beschrieben, die Krankenhäuser sind seit 30 Jahren in einem Zustand, der so nicht mehr akzeptabel ist. Da hat sich 7 Jahre niemand darum gekümmert, wir haben uns vorgenommen, uns zu kümmern, mit den Möglichkeiten, die wir dann in den nächsten Jahren haben. Sie werden merken, es wird eine substantielle Verbesserung für die Krankenhäuser geben.“