Das medizinische Fachgespräch

Springfinger & Co.

Handchirurgen sehen sich in ihrer Praxis mit einer Vielzahl völlig unterschiedlicher Erkrankungen konfrontiert. Bei einem Patienten hakt ein Finger und schnellt plötzlich in seine Position. Bei einem anderen haben sich die Finger krallenartig verformt. Andere berichten, dass ihre Hände nachts einschlafen und morgens kribbeln und schmerzen. Chefarzt Dr. med. Cuon M. Blechschmidt, woran die meisten seiner Patienten leiden und wie sein Team ihnen hilft.

marienkrankenhaus.com: Welche chronischen Erkrankungen der Hände sehen Sie oft in Ihrer Klinik?

Dr. Blechschmidt: Die häufigste Erkrankung sind Nervenkompressionssyndrome. Dies ist bei einem Drittel der Patienten der Fall. Andere, sehr häufige Erkrankungen sind schnellende Finger sowie Überbeine und Arthrosen. Eine sehr häufige Erkrankung ist der Tennisarm (Epicondylitis humeri lateralis). Bei Scheitern konsequenter konservativer Behandlung kann man die Erkrankung operieren durch Denervierung. Da die Erkrankung häufig kombiniert ist mit einem schmerzhaften Supinator Logen-Syndrom, werden diese Erkrankungen in der Handchirurgie operiert.

marienkrankenhaus.com: Was ist ein »Springfinger« oder »schnellender Daumen«?

Dr. Blechschmidt: Dies ist ein Missverhältnissen zwischen verdickter Beugesehne bzw. eingeengtes Ringband. Dies ist eine Verstärkung der Sehnenscheide. Die Beugesehne gleitet daher durch diesen Engpass nur mit vermehrter Kraftanwendung, wodurch es zu einem Schnappphänomen kommt.

marienkrankenhaus.com: Eine relativ bekannte Erkrankung ist das Karpaltunnelsyndrom. Wie äußert sich dieses?

Dr. Blechschmidt: Bei dieser Erkrankung verengt sich der Kanal, durch den der Mittelnerv der Hand verläuft. Dieser Nervus medianus ist unter anderem für die Gefühlsempfindung von Daumen, Zeige- und Mittelfinger verantwortlich. Außerdem versorgt er die daumenseitige Hälfte des Ringfingers und einen wichtigen Muskel im Daumenballen. Die Symptome des Karpaltunnelsyndroms bestehen in Gefühlsstörungen, nächtliche bzw. Ruheschmerzen.  Im Spätstadium kommt es zu einer Atrophie des Daumenballens. Durch neurologische Untersuchung mit Messung der Nervenleitung lässt sich das Krankheitsbild in der Regel objektivieren.

marienkrankenhaus.com: Wer ist davon betroffen?

Dr. Blechschmidt: Frauen erkranken etwa zwei- bis dreimal häufiger als Männer. Kräftige manuelle Belastungen verstärken die Problematik, daher ist die Arbeitshand meist heftiger betroffen; recht häufig erkranken auch beide Hände. Folgende weitere Faktoren begünstigen das Auftreten: Sehnenscheidenentzündungen der Fingerbeuger, Brüche im Bereich der Handwurzel sowie des Handgelenkes, chronische Polyarthritis, Infektionen, hormonelle Störungen, Schwangerschaft.

marienkrankenhaus.com: Wie häufig kommen Arthrosen der Fingergelenke vor und welche Beschwerden machen sie?

Dr. Blechschmidt: Von 100.000 Frauen zwischen 50 und 59 Jahren erkranken jährlich schätzungsweise 190 an einer Handarthrose, von 100.000 Männern der gleichen Altersgruppe nur 27. Die Beschwerden äußern sich in Bewegungsschmerz und zunehmender Bewegungseinschränkung. Sehr häufig kommt die Arthrose im Bereich des Daumensattelgelenks vor, die so genannte Rhizarthrose. Arthrose der Fingerendgelenke nennt man auch Heberdenarthrose, die der Mittelgelenke auch Bouchardarthrose.

marienkrankenhaus.com: Was ist unter einer Dupuytren’schen Kontraktur der Hand zu verstehen?

Dr. Blechschmidt: Hierbei ist das Bindegewebe der Hohlhand knotig, strangartig verändert. Die Sehnen sind dagegen nicht verkürzt, was viele Patienten irrtümlich annehmen. Im Verlauf der Erkrankung kommt es zu einer Streckbehinderung der Finger bzw. Abspreizschwäche des Daumens. Anfangs sind meist der kleine und der Ringfinger betroffen.

marienkrankenhaus.com: Sind Risiken bekannt, wer daran erkrankt?

Dr. Blechschmidt: Die Ursache ist nicht bekannt. Die Erkrankung tritt familiär gehäuft auf, so dass genetische Ursachen zumindest eine Teilursache darstellen. In Afrika und Asien kommt das Krankheitsbild kaum vor, und auch in den europäischen Ländern tritt es verschieden oft auf: In Frankreich, Irland und Schottland ist die Kontraktur mit einer Prävalenz von circa 17 Prozent besonders stark verbreitet.

marienkrankenhaus.com: Worauf sollen Patienten nach einem ambulanten handchirurgischen Eingriff achten?

Dr. Blechschmidt: Sie sollten die Hand permanent, also auch nachts, hochlagern. Ringe dürfen an der operierten Hand nicht getragen werden. Die nicht ruhiggestellten Gelenke sollten sie nach der Operation bewegen. Bei klopfenden Schmerzen, Gefühl des schnürenden Verbandes, Gefühlsstörung sollte der Patient unverzüglich Kontakt mit uns aufnehmen.

marienkrankenhaus.com: Wie lange dauern handchirurgische Eingriffe im Durchschnitt?

Dr. Blechschmidt: Die meisten Eingriffe dauern zwischen 20 und 45 Minuten.

marienkrankenhaus.com: Welche Narkose ist in der Regel notwendig?

Dr. Blechschmidt: Meist ist eine Teilnarkose des Arms, die Plexusanästhesie, ausreichend. Kleinere Eingriffe können auch in örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Selten sind Vollnarkosen notwendig.