Das medizinische Fachgespräch

Hand auf´s Herz

Die Kardiologie im St. Marien-Krankenhaus ist die größte im Dreiländereck von Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz. Prof. Dr. med. Michael Buerke ist seit dem Herbst letzten Jahres Chefarzt der Medizinischen Klinik II, zu der die Kardiologie gehört. In der MARIEN konkret stellt er sich den Fragen der Redaktion und gibt er Auskunft über die häufigsten Krankheitsbilder in seiner Klinik.

marienkrankenhaus.com: Das Herz gibt den Takt in unserem Leben vor. Wenn es nicht richtig funktioniert, besteht höchste Gefahr. Was macht das Herz so bedeutend für unsere Gesundheit?

Prof. Dr. med. Michael Buerke: Medizinisch gesehen handelt es sich um einen Hohlmuskel mit zwei Vorhöfen, zwei Kammern und vier Herzklappen. Im Gegensatz zu den anderen Muskeln, die nach jeder Belastung eine Ruhephase benötigen, schlägt das Herz permanent, um das Blut durch den Körper zu pumpen, damit alle Gewebe und Organe damit versorgt sind.

marienkrankenhaus.com: Was leistet es?

Prof. Buerke: Es pumpt circa 70 ml Blut pro Herzschlag. 60-80 mal Schlägt unser Taktgeber in der Minute und das Herz merkt sofort, wenn wir uns anstrengen und der Körper mehr Blut braucht. Dann pumpt es bis zu dreimal mehr.

marienkrankenhaus.com: Wer steuert eigentlich den Herzschlag?

Prof. Buerke: Ein eigenes Nervenzentrum am rechten Vorhof, der so genannte Sinusknoten, sendet laufend schwache elektrische Signale, die auf die Herzkammer übergeleitet werden. Diese bewirken, dass sich der Herzmuskel zusammenzieht.

marienkrankenhaus.com: Woran merke ich, dass bei mir etwas nicht stimmt?

Prof. Buerke: Viele fühlen sich müde und schlapp, sind nicht mehr so belastbar wie früher. Sie geraten z. B. beim Treppensteigen leicht außer Atem. Das können Hinweise auf eine Herzschwäche sein. Die Kraft des Herzmuskels reicht dann nicht mehr aus, damit das Blut im Körper zirkulieren kann. Ein frühes Anzeichen dafür ist regelmäßig auch, dass man nur noch mit erhöhtem Oberkörper schlafen kann, um gut Luft zu bekommen. Zu nennen sind ferner Herzstolpern und Brustschmerzen.

marienkrankenhaus.com: Muss eine Herzschwäche behandelt werden?

Prof. Buerke: Auf jeden Fall! Andernfalls erhalten die Organe zu wenig Sauerstoff. Die Nieren werden immer schwächer, die Muskeln schmerzen. Der Patient erhält dann eine Kombination aus verschiedenen Wirkstoffen, die den schwachen Herzmuskel entlasten kann. Betablocker verlangsamen den Herzschlag und ACE-Hemmer erweitern die Gefäße, damit das Herz beim Pumpen nicht gegen einen erhöhten Widerstand arbeiten muss. Entwässernde Medikamente regen die Ausscheidung an, um ein Zuviel an Blutvolumen zu reduzieren. Gleichfalls ist eine Verhärtung der Herzwände zu verhindern.

marienkrankenhaus.com: Welche Herzkrankheiten kommen außerdem noch häufiger vor?

Prof. Buerke: Wir sind hier kein Sonderfall. Verengungen der Herzkranzgefäße und Herzrhythmusstörungen sind bei uns häufig zu beobachten.

marienkrankenhaus.com: Welches Risiko besteht bei Herzrhythmusstörungen?

Prof. Buerke: Entweder schlägt das Herz zu langsam oder zu schnell. In beiden Fällen muss behandelt werden. Bei langsamem Herzschlag drohen unbehandelt Schwindel und Bewusstlosigkeit. Patienten erhalten einen Schrittmacher oder Medikamente. Bei schnellem Herzschlag drohen Schlaganfall durch Vorhofflimmern. Dies kann zum plötzlichen Herztod führen. Auch hier gibt es Möglichkeiten des Eingriffs.

marienkrankenhaus.com: Wie kündigt sich ein Infarkt an?

Prof. Buerke: Mit plötzlich auftretenden heftigen Schmerzen in der Brust. Oft strahlen sie auch in Bauch, Rücken, Hals, Kiefer oder Arme aus. Bei Frauen macht sich ein Infarkt auch oft untypisch mit Rücken- oder Oberbauchschmerzen bemerkbar. Meist kommt es bei ihnen zu heftiger Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbrüchen.

marienkrankenhaus.com: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Herzinfarkt und Schlaganfall?

Prof. Buerke: Ja, einen sehr engen. Denn Gefäßveränderungen durch Fetteinlagerungen und Verkalkung betreffen die Gefäße im ganzen Körper - wie Halsarterien und Herzkranzgefäße. Auch das so genannte Raucherbein oder die Schaufensterkrankheit resultieren hieraus.

marienkrankenhaus.com: Welche Risikofaktoren begünstigen den Herzinfarkt?

Prof. Buerke: Nikotin, Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und ein erhöhter Cholesterinspiegel. Wenn diese rechtzeitig behandelt werden, lässt sich ein Infarkt aber regelmäßig vermeiden.

marienkrankenhaus.com: Wie kann der Arzt feststellen, ob ich gefährdet bin?

Prof. Buerke: Er macht ein Belastungs-EKG. Dabei tritt der Patient auf einem Fahrradergometer in die Pedale, während der Arzt über angeklebte Elektroden Herzströme, Puls und Blutdruck misst. Eine Wandbewegungsstörung kann im Ultraschall sichtbar gemacht werden.

marienkrankenhaus.com: Wann muss ein Herzkatheter gelegt werden?

Prof. Buerke: Wenn der Verdacht auf Herzinfarkt oder Durchblutungsstörung besteht. Dann wird der Katheter, ein dünner biegsamer Kunststoffschlauch, über die Leistenader oder Armaterien direkt bis in die Herzkranzgefäße vorgeschoben. Herz- und Gefäßstrukturen werden mittels Kontrastmittel auf dem Monitor sichtbar. Sind eine oder wenige Kranzgefäße verengt, werden sie direkt über den Katheter mit einem kleinen Ballon gedehnt, oder es wird ein Stent (Gefäßstütze) implantiert.

marienkrankenhaus.com: Wie kann jeder selbst sein Herz schützen?

Prof. Buerke: Da sind die üblichen Verdächtigen zu nennen. Dabei ist es besonders wichtig, nicht zu rauchen, sich mehr zu bewegen und abzunehmen. Gesunde und fettarme Ernährung sind selbstverständlich.

marienkrankenhaus.com: Herr Prof. Buerke, wir danken Ihnen für das Gespräch.