Das medizinische Fachgespräch

Behandlungsmethoden und Heilungschancen
bei Leukämie

Die Medizinischen Klinik III - Hämatologie und Internistische Onkologie von Chefarzt Prof. Dr. med. Winfried Gassmann ist auf die Behandlung von Blut- und Tumorerkrankungen spezialisiert. In der hoch modernen Klink stehen alle Verfahren der systemischen Chemotherapie einschließlich der Hochdosis-Chemotherapie mit nachfolgender Transplantation von Blutstammzellen zur Verfügung. Die seit fünf Jahren vom Land Nordrhein-Westfalen als Schwerpunkt für die periphere Blutstammzelltransplantation anerkannte Klinik ist nun in neue Räume gezogen. Die marienkrankenhaus.com nimmt dies zum Anlass und interviewt Prof. Gassmann über Behandlungsmethoden und Heilungschancen bei Leukämie.

marienkrankenhaus.com: Herr Prof. Gassmann, circa 8.000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich an Leukämie. Dass heißt, fast 40 Menschen in Siegen-Wittgenstein müssen sich gezwungenermaßen mit Blutkrebs auseinandersetzen. Damit verbunden ist auch eine völlige Umstellung der Lebensgewohnheiten. Wie hoch sind die Heilungschancen?

Prof. Dr. med. Winfried Gassmann: Die Forschung hat hier in den letzten Jahren gewaltige Fortschritte gemacht und ermöglicht nicht nur eine gute Früherkennungsrate, sondern auch sehr gute Therapiemöglichkeiten. Dennoch muss angemerkt werden, dass verschiedene Formen der akuten Leukämie innerhalb von wenigen Wochen zum Tode führen können.

marienkrankenhaus.com: Woran merke ich, dass ich Leukämie habe?

Prof. Gassmann: Es gibt drei große Symptome, die zeitgleich aber auch einzeln auftreten können und vom Patienten in der Regel deutlich bemerkt werden. Sehr oft stellt sich ein Leistungsknick ein. Der Erkrankte hat beispielsweise Probleme zu Fuß von der Unter- in die Oberstadt zu gelangen und muss häufiger verschnaufen. Auch vermehrtes Nasenbluten und unerklärliche blaue Flecken können ein Hinweis darauf sein. Auch leiden die Betroffenen oft unter Infektionen, die vermehrt auftreten.

marienkrankenhaus.com: Welche Risiken gibt es?

Prof. Gassmann: Leukämie hat vielschichtige Ursachen und tritt meist zufällig auf. Im menschlichen Körper werden pro Tag Milliarden von Zellen erneuert. Dabei geht immer wieder etwas daneben und abnormale Zellen entstehen. Auch Virusinfektionen, chemische Gifte oder Strahlenbelastung können ursächlich sein. Macht dann das Immunsystem Fehler, können sich diese entarteten Zellen vermehren und die normalen verdrängen. Dann entsteht Blutkrebs.

marienkrankenhaus.com: Welche Rolle spielt die familiäre Vorbelastung?

Prof. Gassmann: Im Gegensatz zu anderen Krebsarten konnte bislang kein Zusammenhang festgestellt werden.

marienkrankenhaus.com: Wenn ich beispielsweise länger Fieber habe oder andere Symptome bemerke. Wie verläuft die Diagnostik?

Prof. Gassmann: Zunächst einmal gilt es Ruhe zu bewahren. Eine Leukämieerkrankung ist relativ selten und ist heutzutage meist kein Todesurteil mehr. Bereits über eine Untersuchung der Blutkörperchen nach einer Blutentnahme kann der Hausarzt zudem feststellen, ob es sich um Blutkrebs handelt oder nicht.

marienkrankenhaus.com: Wie verläuft dann die Behandlung?

Prof. Gassmann: Nachdem die bösartigen Zellen durch Chemotherapie zurückgedrängt worden sind und der Patient in Remission ist, wird je nach Leukämietyp eine Stammzelltransplantation entweder vom Patienten selber oder von einem Spender durchgeführt. Die Blutstammzellen wandern dann aus dem Blutkreislauf wieder in die Knochenmarkräume, siedeln sich dort an und beginnen nach kurzer Zeit mit der Produktion von Blutzellen

marienkrankenhaus.com: Herr Prof. Gassmann, vielen Dank für Ihre Ausführungen.