Pfarrer Friedrich Adam Krengel

(*24.05.1805 in Netphen †8.02.1879 in Siegen)

Friedrich Adam Krengel wurde am 24. Mai 1805 in Netphen im Kreis Siegen geboren. Er besuchte verschiedene Gymnasien in Arnsberg, Kreuznach und Soest. Nach seiner Schulzeit begann er sein Theologiestudium an der Universität in Tübingen. Dort blieb er für zwei Jahre bevor er dann sein Studium in Paderborn fortsetzte und auch dort abschloss.


Adam Krengel wurde am 08. August 1831 zum Priester geweiht und verlies nach Erlaubnis des Ordinariates die Stadt Paderborn und kehrte zu seinen Eltern zurück. Schon im Jahr 1833 übernahm er die Verwaltung der Vikarie in Schmallenberg. Ein Jahr später, am 09. März 1834 wurde Krengel zum Pfarrverwalter in Rahrbach ernannt und ab 1839 dann Pfarrer der Gemeinde. Bis zum 09. Oktober 1844 stand er der Stelle vor und übernahm ab diesem Datum die Pfarrei in Siegen. Pfarrer Friedrich Adam Krengel starb am 08. Februar 1879.

Adam Krengels Tätigkeiten für die Siegener Gemeinde

Im Jahr 1844 wurde Pfarrer Krengel von der Regierung als Pfarrer der Gemeinde Siegen präsentiert. Er ersetzte dadurch Vikar Gördes der den im Jahr 1843 pensionierten Pfarrer Heftrich vertrat. Diese Entscheidung entsprach jedoch nicht den Vorstellungen und Wünschen der Gemeinde. Dadurch hatte er einige Schwierigkeiten Fuß zu fassen. Die Pfarrwohnung wurde von der Schulgemeinde als ihr Eigentum behauptet und ihm nicht zur Verfügung gestellt. Er musste also eine andere Wohnung finden, was jedoch nicht leichter war. Seine Einführung ins Pfarramt fand ebenfalls ohne jegliche Feierlichkeiten hinter verschlossener Tür statt.

Die Gemeinde Siegen nahm allerdings in seiner 35 jährigen Tätigkeit als Pfarrer großen Aufschwung. Krengel stellte unter anderem fest, dass die Pfarrgemeinde Siegen finanzielle Ansprüche an die Regierung Preußens hatte. Nach langer Suche und über zehn Jahre andauerndem Schriftverkehr mit den zuständigen Stellen in Berlin, Paderborn und der Regierung in Arnsberg stellte die Regierung 1852 den ganzen Ex- Jesuitenfonds, den Krengel forderte, zur Verfügung. Der Fonds wurde unter die Verwaltung der Kirche gestellt bis ihm die Inflation nach dem Weltkrieg dann ein Ende bereitete.

Die Gründung verschiedener Vereine durch Adam Krengel

Adam Krengel gründete ein Jahr nach seiner Amtseinführung den St. Josefs Verein. Dieser Verein hatte die Verschönerung der Pfarrkirche und die Erhöhung der öffentlichen Gottesverehrung zur Aufgabe. Schon kurz nach der Gründung traten dem Verein 178 Männer und 231 Frauen bei. Die Leitung des Vereins lag für die Männer bei Adam Krengel und für die Frauen bei einer gewählten Oberin. Durch den Verein wurden z.B. die drei Kirchenglocken der Marienkirche in Siegen umgossen und die Seitenaltäre instand gesetzt. Im Jahr 1853 folgte schließlich mit der Aufwertung der St. Martinus Statue eine weitere Maßnahme zur Verschönerung der Kirche. Pfarrer Krengel ließ einen Kostenvoranschlag für die notwendigsten Erneuerungen erstellen. Dieser belief sich auf 3172 Reichstaler.

Im Jahr 1847 erneuerte Pfarrer Krengel die schon vor 1643 durch die Jesuiten gegründete Marianische Männer Solidarität. Krengel verfasste am 18. Oktober 1848 ein Schreiben an 20 Männer seiner Pfarrgemeinde. Inhalt des Briefes war der Aufruf zur Gründung eines Piusvereins im Siegerland. Der Aufruf war erfolgreich und so gründete Krengel den nach Papst Pius IX benannten Verein. Es traten 148 Männer aus allen Berufsklassen bei.

Am 16. Februar 1868 veranstaltete Krengel eine Versammlung der Katholiken des Siegerlandes. Zu diesem Treffen kamen mehrere tausend Teilnehmer. Das Thema war die bedrohte Unabhängigkeit des Heiligen Vaters in Rom. Am 18. Juni 1871 rief Adam Krengel erneut zu einer Versammlung auf. Bei diesem zweiten Treffen waren 4000 Katholiken anwesend.

Adam Krengels Arbeit für das Schulsystem

Das katholische Schulwesen nahm zurzeit Adam Krengels ebenfalls einen großen Aufschwung. Er wurde Orts- und Kreisschulinspektor und setzte sich sehr für die Umsetzung von Plänen ein, die der Bildung jedes einzelnen dienten. Durch Adam Krengel wurden im Siegerland unter schwierigsten Verhältnissen drei Schulen errichtet. Hierbei handelt es sich um die Schulen in Eiserfeld, Kaan- Marienborn und Weidenau. Anfang der sechziger Jahre gründete er zudem eine Handarbeitsschule für Mädchen sowie eine Kinderbewahrschule im Jahr 1872. Die Schule in Kaan wurde allerdings am 1. Mai 1876 als ein Opfer des Kulturkampfes geschlossen. Aber nicht nur die von ihm geschaffenen Einrichtungen mussten darunter leiden. Krengel selber verlor sein Amt als Kreisschulinspektor und wurde zusätzlich aus der Schule ausgewiesen sodass er seinen Tätigkeiten im Schulamt nicht mehr nachkommen konnte.

Adam Krengel inhaftiert

Pfarrer Friedrich Adam Krengel saß vom 10. Dezember bis zum 17. Dezember 1875 in Wesel in Haft. Grund dafür war die Verlesung des Bischöflichen Hirtenbriefes. Inhalte waren unter anderem auch Staatsangelegenheiten über die Krengel sprach und urteilte. Er wurde zwar nach der ersten Verhandlung freigesprochen, jedoch in nächster Instanz zu einer Woche Festungshaft verurteilt. Während seiner Zeit als Inhaftierter hielt Krengel jeden Morgen eine Heilige Messe ab, an der alle anderen inhaftierten Katholiken jedes Mal teilnahmen.


Knapp zwei Jahre später am 16. Juli 1877 wurde Adam Krengel erneut angeklagt. Dieses Mal wurde ihm vorgeworfen dem verwiesenen Bischof Dr. Konrad Martin in der Verwaltung seiner Diözese geholfen zu haben. Diese Anklage bestätigte sich aber nicht und so wurde er neben dem Mitangeklagten Vikar Brack freigesprochen.

Die Gründung des St. Marien-Krankenhauses

Am 20. Februar 1857 startete Pfarrer Krengel einen Aufruf über das Intelligenzblatt an die Bevölkerung, das Land und die Stadt. Er beschrieb die fehlende medizinische und pflegerische Versorgung im Kreisgebiet und forderte dazu auf, Gelder zu sammeln um ein Krankenhaus zu gründen. Hierbei wandte er sich auch vor allem an den westfälischen Adel und andere hochgestellte Persönlichkeiten. Darunter waren unter anderem die Österreichische Kaiserin Carolina, die Ex- Kaiserin Eugenie und Königin Elisabeth von Preußen, eine bayerische Prinzessin. Königin Elisabeth wurde von Krengel darum gebeten ihm das Obere Schloss samt Schlossgarten zu schenken. Im April 1858 wurde die Bitte jedoch vom Oberpräsidenten in Westfalen abgelehnt. Pfarrer Krengel lies sich jedoch nicht so schnell entmutigen und verfolgte seinen Plan weiter indem er 15.000 Aktien drucken lies. Diese wurden von einem Verwaltungsrat, den er gebildet hatte, ausgegeben.

Diese Aktien hatten jedoch auf den ersten Blick ungewöhnliche Bedingungen aufgedruckt:

  1. Die Aktien werden ausgegeben an der Bank der christlichen Liebe und Wohltätigkeit und kosten nur fünf Silbergroschen.
  2. Die Dividenden zahlt Christus der Herr, dessen Kinder in dem neuen Krankenhaus verpflegt und geheilt werden sollen.
  3. Die Einlösung der Aktien übernimmt der große Zahlmeister des Himmels und der Erde.


Aber die Aktienausgabe hatte Erfolg. Zusätzlich dazu spendeten andere Pfarrer noch Geld, woraufhin eine Gesamtsumme von 3000 Talern zusammen kam. 2500 Taler davon investierte Adam Krengel in ein Haus in der Pfarrstraße, in dem er zusammen mit zwei Schwestern aus Paderborn im Jahr 1861 das provisorische Krankenhaus errichtete. Nach der Segnung am 5. Mai übergab Krengel die Schlüssel an Schwester Pia, die erste Schwester Oberin. Das Marienkrankenhaus hatte nun seinen Anfang genommen. Es war damit das erste Krankenhaus seit der Vertreibung der Mönche und der damit verbundenen Schließung des Krankenhauses des Franziskanerklosters. Das geschah allerdings im Jahr 1534. Seit 325 Jahren also warteten die Menschen im Siegerland nun schon auf ein neues Krankenhaus. Die Ersteinrichtung des Marienkrankenhauses umfasste 11 Betten, wurde aber schon kurz nach der Eröffnung erweitert. Am 28. Februar 1862 erschien im Siegener Intelligenzblatt ein Artikel des Pfarrers, der verkündete, dass die Krankenabteilung nun auf 18- 24 Patienten eingerichtet sei. Die Kosten der Ärztlichen Behandlung ohne Medikamente betrugen pro Tag 10 Silbergroschen. Wollte ein Patient ein Einzelzimmer, wurden 5 weiter Groschen fällig.


Die Preise waren selbst für damalige Zeiten sehr günstig. Das das möglich war ist vor allem Dr. Hellmann zu verdanken, der die ärztliche Behandlung uneigennützig übernahm. Erst nach einigen Jahren bekam er 15 Taler pro Jahr ausgezahlt. Die gute Versorgung sprach sich rum und so kamen immer mehr Patienten ins Marienkrankenhaus, was zur Folge hatte das die Räumlichkeiten nicht mehr ausreichend waren. Pfarrer Krengel fand aber auch hier schnell eine Möglichkeit zur Finanzierung der Notwendigen Mittel. Er bat um die Erlaubnis eine Lotterie durchzuführen. Noch am Ende des Jahres 1862 erhielt er die Erlaubnis und so konnte durch den Erlös aus dem Losverkauf einen Reingewinn von 700 Talern erzielet werden. Der finanzielle Aspekt war dadurch abgedeckt, sodass nur noch das passende Grundstück gefunden werden musste.

Im Jahr 1866 richtete Krengel einen Bittgesuch an den König von Preußen, ihm den Herrengarten für den Bau eines Kranken- und Weisenhauses zu überlassen. Als dies abgelehnt wurde, bat er um ein Gebäude am Obergraben. Aber auch hier hatte er eine Absage zur Antwort. Im Endeffekt stellte sich aber heraus, dass dies ziemlich glücklich war. Ein Gebäude mit dem Standort am Obergraben wäre kaum erweiterungsfähig gewesen.


Im darauf folgenden Jahr kaufte er eine am Kampen gelegene Wiese und schon am 26. Juni 1868 fand dort die Grundsteinlegung statt. Am 1.Oktober war das Haus bezugsfertig und am 7. Oktober siedelten dann die 4 Schwestern und ihre Mitarbeiterinnen um in das neue Gebäude am Kampen. Am 11. Oktober folgte dann die kirchliche Weihe durch Pfarrer Krengel und die damit verbundene Eröffnung des Hauses. Im neuen Krankenhaus standen nun 30 Krankenbetten und 3 Räumlichkeiten für Waisenkinder zur Verfügung. 1872 kaufte Krengel noch ein zusätzliches Grundstück in der heutigen Nordstraße. Er plante dort ein Waisenhaus zu bauen. Die Kirchenpolitische Gesetzgebung machte ihm jedoch einen Strich durch die Rechnung und das Waisenhaus konnte erst im Jahr 1890 gebaut werden.

Aus dem Testament Adam Krengels

Sein Testament verfasste Krengel 1876. Sein Vermögen vermachte er den von ihm errichteten Wohltätigkeitsanstalten. Einen Teil vermachte er einer Stiftung für Studenten. Pfarrer Krengel wünschte sich eine sehr schlicht gehaltene Beerdigung. Seine Bibliothek vermachte er dem Priester-Kollegium zu Rom.

In einem Nachtrag vom 1. April 1878 verfasste er, dass jeder Schüler der seine Beerdigung besuchen würde einen Wecken bekommen soll.

Am 8. Februar 1879 starb Pfarrer Friedrich Adam Krengel nach kurzer Krankheit an einer Lungenentzündung und wurde auf dem Lindenbergfriedhof in Siegen beerdigt. Sein Nachlass an die gesamte Bevölkerung der Region war sein Lebenswerk.