Therapie bei Gonarthrose

Gelenkerhaltende Eingriffe bei Gonarthrose

  1. Knie-Arthroskopie (Spiegelung): wird eingesetzt bei Begleitschäden wie z.B. beim symptomatischem Meniskusschaden oder freien Gelenkkörpern mit Gelenkblockaden. Eine arthroskopische Spülung als alleinige Therapie ist nicht hilfreich und nicht mehr indiziert!
  2. Umstellungsosteotomien: das betroffene Gelenkkompartiment wird durch eine Osteotomie entlastet und die Beinachse korrigiert. Die Indikation zu solchen Osteotomien soll gründlich geprüft werden, beim Fehlen einer Achsendefromität ist die Osteotomie kontraindiziert. Früher wo die Endoprothetik nicht verbreitet war, kam die Osteotomie-Operation mehr zum Einsatz. Beispiele für Osteotomien sind die Tibiakopfosteotomie (TKU) in den varianten aufklappend von medial oder zuklappend von lateral für die mediale Gonarthrose mit O-Bein-Fehlstellung. Bei lateraler Gonarthose mit X-Bein-Fehlstellung sind aufklappende laterale femorale Osteotomien indiziert. Wichtige Nachteile solcher Eingriffe sind Knochenheilungsverzögerung und Korrekturverlust. 
     

Gelenkersetzende Operationen bei Gonarthrose

Gelenkersatz-Operationen haben sich in den letzten 20 Jahren als effektiv mit Überlebenszeiten von 15 bis 20 Jahren bewährt. In den letzten 10 Jahren ist der Gelenkteilersatz aufgrund von guten klinischen Ergebnissen und belegten Studien häufiger indiziert. Bei den Zurzeit zur Verfügung stehenden Implantaten können fast keine Kontraindikationen zur Operation entstehen, sogar bei Allergien können entsprechende Beschichtungen angefertigt werden. Zur Fixation solcher Implantate kann eine zementierte oder eine zementfreie Verankerung der Prothesen stattfinden. Bei den meisten Patienten kann die sogenannte Minimal-Invasive-Technik (MIS) verwendet werden. Im Wesentlichen handelt es sich um einen kleineren Hautschnitt mit Schonung der Muskulatur bzw. der Muskelansätze, was eine schnellere Mobilisation und Rehabilitation ermöglicht. 

  1. Kniegelenkteilersatz (Schlittenprothese / retropatellarer Ersatz)
    Die Schlittenprothese (Oberflächenersatz) wird bei monokompartimenteller Arthrose bei soweit intakter Beinachse und beim normalen Bewegungsumfang eingesetzt.  Die Schlittenprothese steht für die mediale (häufiger) und für die laterale (seltener) Arthrose zur Verfügung. Alter spielt bei diesem Eingriff keine große Rolle, wichtig ist das biologische Alter und das Aktivitätsniveau sowie die Erwartungen des Patienten.

    Retropatellarer Ersatz wird ebenso bei isolierter Kniescheibenarthrose eingesetzt. Hierzu müssen auch Faktoren wie Beinachse und Bewegungsumfang des betroffenen Kniegelenkes stimmen.  

    Eine Kombination von Schlittenprothesen und retropatellarem Ersatz kann bei entsprechender Indikation sehr gut funktionieren. Damit kann die Versorgung mit einem Teilersatz bis zu 20% der gesamten Knie-Endoprothetik darstellen.

    Vorteil eines Teilersatzes ist der Erhalt der eigenen Bänder, vor allem aufgrund des Erhaltes der Propriozeption, was letztendlich zum normalen Kniegefühl zum größten Teil beiträgt.
     
  2. Knie-Totalendoprothese (TEP)
    In Deutschland werden jährlich ungefähr 110.000 Totalendoprothesen eingesetzt. Die TEP wird indiziert wenn die fortgeschrittene Arthrose in mehr als einem Kompartiment besteht. Ebenfalls bei Achsfehstellungen, Bewegungseinschränkungen und Bandinstabilität kommt die TEP zum Einsatz. Abhängig von der Bandstabilität kann der Kupplungsgrad der Prothese variieren. Zum Einsatz kommen Oberflächenprothesen, achsgeführte Prothesen (teilgekoppelt /gekoppelt) sowie selten indiziert Scharnierprothesen. In Revisionsfällen wie starkem Knochenverlust kann die so genannte Tumorprothese eingesetzt werden.
    • Oberflächenersatz:
      Zementverankerte Prothese, Erhalt der Seitenbänder, optionaler Erhalt des hinteren Kreuzbandes, optionaler Ersatz der Patella. Die zwei Prothesenteile artikulieren mit einander durch das Polyethylen-Inlay (fixiert oder mobil)
    • Teilgekoppelte Prothese: 
      Bei Insuffizienz der Seitenbänder oder Knochendefekte kommen solche Prothesen zum Einsatz. Solche Prothesen sind in der Tat nicht gekoppelt, verfügen aber über ein Inaly mit einem dicken Zapfen, was die seitliche und die ventrodorsale Stabilität des Kniegelenkes gewährleistet.
    • Gekoppelte Prothese:
      Bei absoluter seitlicher Instabilität, ausgeprägter Fehstelllung (O- oder X-Bein), starkem Knochendefekt kommen solche Implantate zum Einsatz. Die Achse der Prothese kann optional zementfrei eingesetzt, wird aber in der Regel besonders bei schlechter Knochenqualität (z.B. bei Osteoporose) zementiert. Solche Prothesen ermöglichen die so sogenannte Schlussrotation (5° Außenrotation des Schienbeins zum Fixieren des Beines beim Stehen).
    • Scharnierprothesen:
      In Fällen wo der Streckapparat nicht mehr funktioniert (irreparable Defekt der Oberschenkelstrecksehne oder der Kniescheibensehne) oder bei extrem vermindertem Aktivitätsniveau des Patienten kommen solche Prothese zum Einsatz. Im Prinzip ermöglicht die Prothese keine Schlussrotation mehr. 

Mögliche Risiken einer Gelenkersatz-Operation: 

Die durchschnittlichen Überlebenszeiten der Knie-Prothesen sind 15 bis 20 Jahren. Das heißt besonders bei jüngeren Patienten kann es zu einer Wechsel-Operation kommen. Von daher sind Prothesenlockerungen nach 15 Jahren als normale Folgen zu bezeichnen.  Wichtige Komplikationen sind Infektionen, Frakturen bzw. Frakturbehandlung, Bewegungseinschränkungen, anhaltende vordere Knieschmerzen, Thrombose und Lungenembolien, Nervenschäden, sowie Blutverlust bzw. Transfusion von fremden Blutpräparaten.  Das Risiko einer Wundheilungsstörung / Protheninfektion erhöht sich signifikant bei Stoffwechselerkrankungen, Nikotin- und Alkohol-Abusus sowie bei Adipositas per magna. 

  • Perioperative Schmerzthrapie:
    Es ist wissenschaftlich belegt, dass der Einsatz von Regionalanalgesieverfahren (Periduralkatheter / Betäubung des N. Femoralis in der Leiste) zur signifikanten Schmerzreduktion in den ersten 48 – 72 Stunden nach der Operation führt. In unserer Klinik kommen solche Verfahren regelmäßig im Einsatz.
  • Mobilisation und Rehabilitation:
    Die erste Mobilisation erfolgt spätestens nach 48 Stunden nach der Operation mit Hilfe von  Physiotherapeuten. Die Rehabilitation findet in der Regel direkt nach der Entlassung von der stationären Behandlung (etwa nach 10 – 12 Tagen) und dauert ca. 3 – 4 Wochen.
    Nach Abschluss von 6 Wochen postoperativ können die Patienten ohne Hilfsmittel sicher mobilisiert werden. Das Autofahren ist in der Regel nach 6 – 8 Wochen möglich.