X- und O-Beinfehlstellungen

(Valgus- und Varusfehlstellungen der Beinachse)

Was versteht man unter einer x- oder o-Beinfehlstellung:

Es lassen sich zwei Arten der Achsabweichungen an den Beinen beschreiben.

  1. Unter einer angeborenen x-Beinfehlstellung (Valgusfehlstellung) versteht man die Abweichung der Beinachse von über 7° Valgus (x-Bein). Diese Achse wird gemessen an der Stellung des Unterschenkels in Relation zum Oberschenkel. Anatomisch beträgt der Winkel zwischen dem Oberschenkel (Femur) und dem Unterschenkel (Tibia) 7°. Ab einem Winkel von über 7° spricht man von einer Valgusfehlstellung (x-Beinfehlstellung). Hier verläuft die Beinachse an der Außenseite des Kniegelenkes.
  2. Bei einer angeborenen o-Beinfehlstellung (Varusfehlstellung) verläuft die Beinachse an der Innenseite des Kniegelenkes.

 

Welche Beschwerden entstehen bei einer Fehlstellung der Beinachsen:

Auch die Beschwerden sind abhängig von der Form der Fehlstellung.

  • Weicht die Beinachse von der anatomischen Norm ab können bei einer x-Beinfehlstellung (hier verläuft die Beinachse an der Außenseite des Kniegelenkes) ungünstige Druckverhältnisse an der Außenseite des Kniegelenkes entstehen. Im Zuge dieser unphysiologischen Druckverhältnisse kann es zu Schmerzen im Bereich der Außenseite des Kniegelenkes kommen.
  • Weicht die Beinachse bei der o-Beinfehlstellung nach innen ab, entstehen ungünstige Druckverhältnisse im Bereich der Innenseite des Kniegelenkes. Hier kann es dann zu Schmerzen kommen.

Allen Fehlstellungen gleich ist der anfängliche belastungsabhängige Schmerz nach z.B. sportlichen Aktivitäten (Laufsport, Wandern, etc.)

Durch die ungünstigen Druckbelastungen des betroffenen Kniegelenkes kommt es im Verlauf zu Schädigungen des Knochens des betroffenen Anteils des Kniegelenkes.

Bei Auftreten von Knochenschädigungen kann es dann im Verlauf zu Schädigungen der Menisken kommen. Es kann dann zu Blockaden des Kniegelenkes kommen. Schreiten die Schädigungen fort, kann es auch Ruheschmerzen kommen.

Wie wird eine Beinfehlstellung erkannt:

Stellen sich die Patienten in unserer Sprechstunde vor, kann man meist aus dem Patientengespräch heraushören, um welches Problem es sich bei dem jeweiligen Patienten handelt. Fortgeschrittene bzw. ausgeprägte Fehlstellungen lassen sich bereits mit dem geübten Auge erkennen.

Stellt sich ein Patient mit Kniegelenksbeschwerden in unserer Sprechstunde vor und ergibt sich aus der körperlichen Untersuchung und dem Patientengespräch ein Anzeichen auf eine Achsfehlstellung des Beines erfolgt ein Röntgen des gesamten betroffenen Beines.

Anhand dieser Röntgenaufnahme kann man dann mittels bestimmter Techniken die Beinachse ausmessen.

Sollte es notwendig sein, würden wir auch eine MRT-Untersuchung des Kniegelenkes veranlassen, um gegebenenfalls vorliegende Schädigungen am Kniegelenk auszuschließen.

Wie behandelt man eine Beinachsenfehlstellung:

Die Behandlung ist abhängig von dem Ausmaß der Beinfehlstellung.

Als Therapie stehen konservative und operative Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Konservative Möglichkeiten sind jedoch beschränkt und sollten nur bei einer geringgradigen Achsabweichung und älteren Patienten zur Anwendung kommen. Neben physiotherapeutischen Behandlungen steht die Versorgung mittels Schuheinlagen zur Verfügung.

Bei jungen und aktiven Patienten sollte spätestens bei Eintreten erster Beschwerden (am besten jedoch schon zuvor) und Vorliegen eines entsprechenden Befundes über eine operative Therapie nachgedacht werden.

Hier sollte jedoch nach klinischer und radiologischer Untersuchung die Voraussetzung zur operativen Therapie engmaschig gestellt werden. Das heißt, dass der Patient auch tatsächlich von diesem operativen Eingriff profitiert. Neben den Aspekten der Achsabweichung sowie der beschriebenen Symptome müssen andere Faktoren wie beispielsweise das Gewicht, die sportliche Aktivität, die berufliche Situation aber auch die Compliance (Patientenmitarbeit) vor einer etwaigen Operation als Einflussfaktoren abgeklärt werden. Es muss dem Patienten bewusst sein, dass die Behandlung nach einem operativen Eingriff sowohl Geduld als auch Selbstdisziplin erfordern.

Sollte es durch die Achsfehlstellung zu Verschleißerscheinungen des Knorpels des betroffenen Gelenkabschnittes gekommen sein, muss den Patienten bewusst sein, dass ein Umstellungsosteotomie lediglich die Symptome der Verschleißerscheinung lindert und eine mögliche Endoprothesenoperation hinausgezögert wird.

Eine Heilung des vorhandenen Verschleißes kann eine Umstellung nicht erbringen.