Das Herzkatheterlabor (HKL)

Das Herzkatheterlabor (HKL) umfasst zwei Messplätze, an denen mit moderner digitaler Bildverarbeitung jährlich über 2800 invasive kardiovaskuläre Untersuchungen (Herzkatheterisierungen) durchgeführt werden.

Hierunter zählen Rechts- und Linksherzkatheterisierungen, Koronarangiographien, therapeutisch Ballondilatationen und Stentimplantationen (Gefässaufweitung, Gefässstützen), elektrophysiologische Untersuchungen (invasive Untersuchung von Herzrhythmusstörungen), und Implantation einer intraaortalen Ballonpumpe (Gegenpulsationsverfahren in der Hauptkörperschlagader).

Durch eine beständig verbesserte Technik und Erfahrung sowie Einsatz neuester Materialien können heute mittels Ballondilatation und Stentimplantation auch sehr komplexe Erkrankungen der Herzkranzgefässe und Bypassgefässe behandelt werden. So stieg die Zahl der Ballondilatationen 2001 auf über 570. Trotz zunehmend komplexer Gefässerkrankungen und entsprechend aufwendiger Eingriffe konnte die Komplikationsrate noch weiter gesenkt und damit das Verfahren noch sicherer gemacht werden.

Was bedeutet "Herzkatheterisierung"?

Bei einer Herzkatheterisierung (Linksherzkatheteruntersuchung, auch "großer Herzkatheter" und Rechtsherzkatheteruntersuchung, auch "kleiner Herzkatheter" genannt) werden über eine pulsierende Ader (Arterie) oder nicht pulsierende Ader (Vene) kleine Sonden, sog. Herzkatheter eingeführt. Hierüber können Messungen vorgenommen und Kontrastmittelinjektionen durchgeführt werden. Unter Röntgendurchleuchtung lassen sich die einzelnen Herzabschnitte, v.a. Herzkammern, Herzkranzgefässe und herznahe Körper-und Lungenadern darstellen. Oft wird die Untersuchung durchgeführt, weil die Beschwerden des Patienten und Ergebnisse von Voruntersuchungen (EKG, Belastungs-EKG etc.) eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels vermuten lassen. Die häufigste Ursache hierfür sind arteriosklerotisch bedingte Einengungen der Herzkranzgefässe. Solche Einengungen können mittels der Kranzgefässdarstellung nachgewiesen bzw. ausgeschlossen werden.

Welche Zugangswege gibt es zum Herzen?

Wenn der / die Arzt / Ärztin mit Ihnen die Notwendigkeit, Bedeutung und den Ablauf einer Herzkatheteruntersuchung besprochen hat, sind bis zur eigentlichen Untersuchung noch Vorbereitungen zu treffen. Zunächst wird der Ort, an dem die Punktion (Einstich) des Gefässes vorgenommen werden soll (Leiste, Ellenbeuge, Handgelenk) rasiert. Wird die Untersuchung über die Leiste durchgeführt, so muss anschliessend ein Druckverband angelegt werden , um eine Nachblutung zu vermeiden. Dieser verbleibt 6-18 Stunden, bevor der Patient wieder aufstehen darf.

Neuerdings ist auch eine Untersuchung über das kleinere handgelenknahe Gefäss (Arteria radialis) in unserer Klinik möglich. Hierüber können ausgewählte Patienten jetzt sowohl einer diagnostischen Untersuchung (Koronarangiographie) als auch einer Behandlung (Ballonaufweitung = PTCA) unterzogen werden. Der besondere Vorteil besteht in der sehr guten Kontrolle der Einstichstelle hinsichtlich einer Blutung und der frühzeitigen Mobilisierung des Patienten, da - anders als bei der Leistenpunktion - die Bettruhe nach der Untersuchung nicht erforderlich ist.

Ausserdem ist dieser Zugangsweg eine wichtige Alternative, wenn die Untersuchung gar nicht über Leistengefässe durchgeführt werden kann, z.B. weil diese selbst verengt sind oder bereits mittels eines Bypasses operiert wurden. In den meisten Fällen ist jedoch eine Untersuchung über die Leiste möglich.

Was bedeutet "Ballonaufdehnung (PTCA)"?

Wenn eine bedeutsame Kranzgefässverengung festgestellt wird, kann in vielen Fällen eine nicht-operative Behandlung durch eine Ballonaufdehnung vorgenommen werde. Hierbei werden spezielle Herzkathteter (s. Bild) vorgebracht und über diese wiederum sehr kleine Miniaturballons (s. Bild) in das verengte Kranzgefäss eingeführt. Anschliessend wird der Ballon mit Flüssigkeit aufgedehnt und dadurch die Verengung beseitigt. Der Fachausdruck für diesen Vorgang wird mit PTCA abgekürzt, und zwar für : Perkutane Transluminale Coronar-Angioplastie. (s.Video)

Was bedeutet "Stentimplantation"?

Stent ist das englische Wort für Gefässstütze. Es handelt sich um ein kleines Metallröhrchen, das ein maschendrahtähnliches Lochmuster aufweist. Dieser Stent kann auf einen Ballonkatheter (s.o.) montiert und in ein Kranzgefäss eingesetzt, also implantiert werden (s. Bild). Ein solche Implantation kann erforderlich sein, wenn das Ergebnis der alleinigen Ballonaufdehnung unzureichend ist. Der vor der Implantation kleine, zusammengefalterte Stent hat nach seiner Aufdehnung genau die Größe des Kranzgefässes, verbleibt in diesem Zustand in dem Gefäss und wird im Laufe einiger Monate von einer dünnen Gewebsschicht überzogen. Eine Explantation (Herausnehmen) des Stents ist weder nötig noch möglich.

Welche Nachbehandlung ist erforderlich?

Nach einer Ballondilatation mit Stentimplantation ist ein zusätzliches Medikament erforderlich, das einen Stentverschluss durch Gerinnselbildung im Gefäss verhindern kann. Dieses Medikament (IscoverR oder PlavixR 75 mg) muss nach dem Eingriff für vier Wochen eingenommen werden, und zwar zusätzlich zu der lebenslang einzunehmenden Aspirintablette (z.B. ASS 100 mg).

Nach der Entlassung erfolgt die weitere Behandlung durch den Hausarzt und Kardiologen. Wenn eine Nachuntersuchung mittels Herzkatheter (z.B. Kontrolle des Behandlungsergebnisses) erforderlich ist, wird diese sechs Monate nach dem Eingriff durchgeführt.