Das Herzkatheterlabor (HKL)

Das Herzkatheterlabor (HKL) umfasst drei Messplätze, an denen mit moderner digitaler Bildverarbeitung jährlich über 3000 invasive kardiovaskuläre Untersuchungen (Herzkatheterisierungen) durchgeführt werden.

Hierunter zählen Rechts- und Linksherzkatheterisierungen, Koronarangiographien, therapeutisch Ballondilatationen und Stentimplantationen (Gefäßaufweitung, Gefäßstützen), elektrophysiologische Untersuchungen (invasive Untersuchung von Herzrhythmusstörungen), und in ausgewählten Fällen Implantation einer intraaortalen Ballonpumpe (Gegenpulsationsverfahren in der Hauptkörperschlagader).

Durch eine beständig verbesserte Technik und Erfahrung sowie Einsatz neuester Materialien können heute mittels Ballondilatation und Stentimplantation auch sehr komplexe Erkrankungen der Herzkranzgefässe und Bypassgefäße behandelt werden. So lag die Zahl der Ballondilatationen 2013 bei über 1.500. Trotz zunehmend komplexer Gefäßerkrankungen und entsprechend aufwendiger Eingriffe konnte die Komplikationsrate weiter gesenkt und damit das Verfahren noch sicherer gemacht werden.

Was bedeutet "Herzkatheterisierung"?

Bei einer Herzkatheterisierung (Linksherzkatheteruntersuchung, auch "großer Herzkatheter" und Rechtsherzkatheteruntersuchung, auch "kleiner Herzkatheter" genannt) werden über eine pulsierende Ader (Arterie) oder nicht pulsierende Ader (Vene) kleine Sonden, sog. Herzkatheter eingeführt. Hierüber können Messungen vorgenommen und Kontrastmittelinjektionen durchgeführt werden. Unter Röntgendurchleuchtung lassen sich die einzelnen Herzabschnitte, v.a. Herzkammern, Herzkranzgefässe und herznahe Körper- und Lungenadern darstellen. Oft wird die Untersuchung durchgeführt, weil die Beschwerden des Patienten und Ergebnisse von Voruntersuchungen (EKG, Belastungs-EKG etc.) eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels vermuten lassen. Die häufigste Ursache hierfür sind arteriosklerotisch bedingte Einengungen der Herzkranzgefässe. Solche Einengungen können mittels der Kranzgefässdarstellung nachgewiesen bzw. ausgeschlossen werden.

Welche Zugangswege gibt es zum Herzen?

Wenn der / die Arzt / Ärztin mit Ihnen die Notwendigkeit, Bedeutung und den Ablauf einer Herzkatheteruntersuchung besprochen hat, sind bis zur eigentlichen Untersuchung noch Vorbereitungen zu treffen. Zunächst wird der Ort, an dem die Punktion (Einstich) des Gefäßes vorgenommen werden soll (Leiste, Ellenbeuge, Handgelenk) rasiert. Wird die Untersuchung über die Leiste durchgeführt, so muss anschließend ein Druckverband angelegt werden , um eine Nachblutung zu vermeiden. Dieser verbleibt 4-8 Stunden, bevor der Patient wieder aufstehen darf.

Es ist auch eine Untersuchung über das kleinere handgelenknahe Gefäss (Arteria radialis) in unserer Klinik möglich. Hierüber können Patienten sowohl einer diagnostischen Untersuchung (Koronarangiographie) als auch einer Behandlung (Ballonaufweitung = PTCA) unterzogen werden. Der besondere Vorteil besteht in der sehr guten Kontrolle der Einstichstelle hinsichtlich einer Blutung und der frühzeitigen Mobilisierung des Patienten, da - anders als bei der Leistenpunktion - die Bettruhe nach der Untersuchung nicht erforderlich ist.

Außerdem ist dieser Zugangsweg eine wichtige Alternative, wenn die Untersuchung gar nicht über Leistengefäße durchgeführt werden kann, z.B. weil diese selbst verengt sind oder bereits mittels eines Bypasses operiert wurden. In den meisten Fällen ist jedoch eine Untersuchung über die Leiste möglich.

Was bedeutet "Ballonaufdehnung (PTCA)"?

Wenn eine bedeutsame Kranzgefässverengung festgestellt wird, kann in vielen Fällen eine nicht-operative Behandlung durch eine Ballonaufdehnung vorgenommen werde. Hierbei werden spezielle Herzkatheter (s. Bild) vorgebracht. Über den Führungskatheter kann ein dünner Draht durch die zu behandelnde Engstelle manoeuvriert werden. Über den Draht als Leitschiene werden wiederum sehr kleine Miniaturballons (s. Bild) in das verengte Kranzgefäss eingeführt. Anschliessend wird der Ballon mit Flüssigkeit aufgedehnt und dadurch die Verengung beseitigt. Der Fachausdruck für diesen Vorgang wird mit PTCA abgekürzt, und zwar für : Perkutane Transluminale Coronar-Angioplastie.

Was bedeutet "Stentimplantation"?

Stent ist das englische Wort für Gefäßstütze. Es handelt sich um ein kleines Metallröhrchen, das ein maschendrahtähnliches Lochmuster aufweist. Dieser Stent kann auf einen Ballonkatheter (s.o.) montiert und in ein Kranzgefäss eingesetzt, also implantiert werden (s. Bild). Ein solche Implantation wird meist vorgenommen, da das Ergebnis der alleinigen Ballonaufdehnung mittelfristig unzureichend ist. Der vor der Implantation kleine, zusammengefaltete Stent hat nach seiner Aufdehnung genau die Größe des Kranzgefässes, verbleibt in diesem Zustand in dem Gefäss und wird im Laufe einiger Monate von einer dünnen Gewebsschicht überzogen. Eine Explantation (Herausnehmen) des Stents ist weder nötig noch möglich.

In die Entscheidung über die Art des zu verwendenden Stents gehen eine Reihe von Überlegungen ein. Dabei spielen jedoch ausschließlich klinische Erwägungen eine Rolle. Es kann grob zwischen medikamentenbeschichteten Stents und unbeschichteten Stents unterschieden werden. Der Vorteil von medikamentenbeschichteten Stents ist die geringere Rate von langfristigen Wiederverengungen, was dazu geführt hat, dass diese Stents in der Mehrzahl der Fälle implantiert werden. Diese Stents haben allerdings den Nachteil, dass es länger dauert, bis sie von einer neuen Gefäßinnenhaut überwachsen sind.

Zur Implantation von resorbierbaren Gefäßstützen siehe Gefäßstütze auf Zeit.

Intraoperative Flussmessung

Im Allgemeinen streben wir an, durch Belastungsuntersuchungen vor der Katheteruntersuchung zu klären, ob eine belastungsabhängige Minderdurchblutung und damit mit hoher Wahrscheinlichkeit eine wesentliche Erkrankung der Kranzgefäße vorliegt. Gelegentlich ist nach der Kontrastmitteldarstellung der Herzkranzgefäße jedoch nicht mit Sicherheit zu sagen, ob eine Verengung für die Beschwerden des Patienten verantwortlich ist oder nicht. In diesen grenzwertigen Fällen kann eine Messung durchgeführt werden, um direkt im Gefäß zu bestimmen, ob eine Verengung den Blutstrom behindert oder nicht. Hierfür wird ein spezieller Draht durch die fragliche Engstelle geschoben, welcher an seiner Spitze eine Druckmessung erlaubt. Damit wird der Blutdruck vor und hinter der Verengung gemessen. Zur Optimierung der Messbedingungen wird ein gefäßerweiterndes Medikament (Adenosin) über einen venösen Zugang verabreicht und das Verhalten des Blutdrucks vor und hinter der Verengung analysiert. Dieses Verfahren nennt sich fraktionelle Flussreserve (FFR). Sinkt der Blutdruck hinter der Verengung im Vergleich zum Blutdruck vor der Verengung unter einen bestimmten Wert, ist bewiesen, dass die Verengung hochgradig ist und aufgedehnt werden sollte. Bei fehlendem Nachweis ist es für den Patienten besser die Verengung nicht mit einem Stent, sondern ausschließlich medikamentös zu behandeln.

Welche Nachbehandlung ist erforderlich?

Nach einer Ballondilatation mit Stentimplantation ist ein zusätzliches Medikament erforderlich, das einen Stentverschluss durch Gerinnselbildung im Gefäß verhindern kann. Dieses Medikament (Clopidogrel 75 mg, Prasugrel oder Ticagrelor) muss nach dem Eingriff für vier Wochen bis sechs Monate eingenommen werden, und zwar zusätzlich zu der lebenslang einzunehmenden Aspirintablette (z.B. ASS 100 mg). Diese Zeit verlängert sich bei einer Infarktbehandlung auf zwölf Monate.

Bei Patienten, bei welchen zusätzlich die Notwendigkeit einer Blutverdünnung (z.B. Marcumar) besteht, sind zur Minimierung von Blutungsrisiken unbeschichtete Stents häufig geeigneter. In den ersten Wochen ist trotzdem eine Dreifach-Kombination mit Marcumar/ASS/Clopidogrel notwendig.

Nach der Implantation von resorbierbaren Gefäßstützen (Scaffolds) muss ebenfalls mit Clopidogrel /ASS für 12 Monate nachbehandelt werden.

Nach der Entlassung erfolgt die weitere Behandlung durch den Hausarzt und Kardiologen. Wenn eine Nachuntersuchung mittels Herzkatheter (z.B. Kontrolle des Behandlungsergebnisses) erforderlich ist, wird diese sechs Monate nach dem Eingriff durchgeführt.