Gefäßstütze auf Zeit

Neue Behandlungsmethode für jüngere Patienten

In Deutschland steigt seit Jahren die Zahl der Herzpatienten, die vom Kardiologen eine Gefäßstütze implantiert bekommen, einen sogenannten Stent. Jährlich über 1.500 Eingriffe verzeichnet das St. Marien-Krankenhaus Siegen als vom Land Nordrhein-Westfalen bestimmter Schwerpunktversorger der Region.  Die metallenen Gittergerüste von 8 bis 45 Millimeter Länge und einem Durchmesser von bis zu 5 Millimetern gelten als schnelle schonende Therapie, um Engstellen der Herzkranzgefäße zu erweitern. Allerdings verbleibt der Fremdkörper dann für den Rest des Lebens, was gerade bei jungen Patienten nicht unproblematisch ist. Ein neuer, sich selbst auflösender Stent beseitigt jetzt diese Nachteile.

Bislang behält ein Patient den einmal eingesetzten Stent ein Leben lang. Damit bleibt der Fremdkörper mit seiner Metalllegierung im Körper. Doch nicht immer wachsen Stents wie vorgesehen in die Gefäßwand ein und es kann zur Wiederverengung des Gefäßes kommen. Gefährlich wird es, wenn sich durch den Kontakt des Blutes mit dem Stent ein Blutgerinnsel bildet und das Gerinnsel zum Herzinfarkt führt. Deshalb muss der Patient sehr lange zur Vorbeugung antithrombotische Medikamente wie Aspirin nehmen. Sogenannte bioresorbierbare Stents oder Scaffolds (engl. Gerüst) umgehen diese Probleme.

„Es verbleibt kein Metall im Gefäß. Die resorbierbaren Stents sind nach zwei Jahren nicht mehr im Gefäß nachweisbar“, sagt Prof. Dr. med. Michael Buerke, Chefarzt der Medizinischen Klinik II – Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin im St. Marien-Krankenhaus Siegen.

Seine Klinik hat jetzt die Zulassung für dieses neue Verfahren erhalten.

Die Innovation hinter den neuartigen Gefäßstützen: Sie sollen die Gefäßwand nur solange stabilisieren, bis die Verletzungen durch die Ballonaufdehnung verheilt sind und das Gefäß wieder seine Funktion erfüllen kann. Möglich macht dies ein spezielles Gerüst aus Milchsäure-Kristallen, das bis zu sechs Monate stabil bleibt und danach zu Wasser und Kohlendioxid zerfällt. Eine spezielle medikamentöse Beschichtung verhindert eine Gewebewucherung und Wiederverengung des Gefäßes. Resorbierbare Gefäßstützen dieser Art sind seit 2012 in Deutschland erhältlich.

Allerdings sind diese Stents zurzeit nicht für alle Läsionen geeignet, erklärt Prof. Buerke: „Aufgrund ihrer fehlenden Steifigkeit sollten sie nicht in stark verkalkte Gefäße oder Gefäßen mit starken Kurven eingebracht werden.“ Der Siegener Kardiologe empfiehlt den neuartigen Stent daher vor allem jüngeren Patienten mit Problem-Gefäß.

„Normalerweise sind wir durchaus kritisch im Umgang mit Neuerungen“, sagt Prof. Buerke. „Hier bin ich mir sehr sicher, dass es sich um eine echte Innovation handelt. Wenn nämlich ein Stent nicht mehr da ist, dann kann auch kein Risiko mehr von ihm ausgehen. Auch besteht dann noch die Möglichkeiten, später einen Bypass auf dieses Gefäß zu setzen“ Gleichzeitig beruhig der Chefarzt die Patienten, die bereits einen konventionellen Stent in seiner Klinik erhalten haben: „Bei den beschichteten Stahl-Stents treten eine Wiederverengung und Blutgerinnsel nur noch sehr selten auf.“ Auch werde es immer Patienten geben, die einen herkömmlichen Stent benötigen.