Therapieresistente Hypertonie

Laut den europäischen Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) sowie Hypertension (ESH) von 2013 ist eine arterielle Hypertonie therapieresistent, wenn sie erst mit vier Antihypertensiva einschließlich eines Diuretikums in vollen Dosen kontrolliert, das heißt auf einen Zielwert von 140 mmHg einstellbar ist. Voraussetzung ist eine Therapieadhärenz des Patienten. Zur Kontrolle dieses Zielwertes wird eine ambulante 24-Stunden-Messung empfohlen. Diese schließt eine Weißkittel-Hypertonie aus und demaskiert nächtliche Hypertonien als Hinweis für eine nicht ausreichende abendliche Medikation, oder auch ein mögliches Schlaf-Apnoesyndrom.

Zunächst sollte die Hypertonie mit einem Aldosteronrezeptor-Antagonist, Amilorid oder Doxazosin zusätzlich behandelt werden (Empfehlung IIa Level B). Die folgenden invasiven Reserveverfahren sind für Patienten mit RR-Werten ab 160 mmHg systolisch bzw. 110 mmHg diastolisch beschränkt (Empfehlung I Level C) und haben den Empfehlungsgrad IIb Level C.

Reserveverfahren bei therapieresistenter Hypertonie

1. Barorezeptor-Aktivierungs-Therapie (BAT)

Die Stimulation der nahe des Karotissinus gelegenen Barorezeptornerven bzw. die Aktivierung des Baroreflexes über eine elektrische Stimulation ist ein neueres Verfahren, das wir seit dem Sommer 2015 in Kooperation mit den gefäßchirurgischen Kollegen für einzelne Patienten anbieten können.

Dabei wird mit einem Schrittmacher, der subfaszial wie ein Herzschrittmacher rechts infraclaviculär implantiert wird, über eine einzelne Sonde die Region des Karotissinus rechts elektrisch stimuliert. Das Verfahren senkt den arteriellen Druck um ca. 20 mmHg und ergänzt die bestehende Medikation. Ziel ist, Patienten mit nicht einstellbarem Druck trotz einer Kombination von mindestens vier Antihypertensiva in den Zielbereich von 140 mmHg (systolisch) zu verhelfen.

Die Zielgruppe sind insbesondere Patienten, die schon Folgeschäden der hypertensiven Erkrankung zeigen. Das Verfahren eignet sich auch für Patienten mit fortgeschrittener Niereninsuffizienz, die nicht mehr mit einem ACE-Hemmer/ARB oder Spironolakton behandelt werden können. Aus kleineren Studien ergibt sich der Hinweis, das unter Barorezeptoren-Stimulation die Proteinurie als prognostischer Marker abnimmt.

Ansprechpartner sind OA Dr. C. Blanke (Tel. 231-1215) für die Kardiologie bzw. OA Dr. I. Darwich für die Gefäßchirurgie.

2. Renale Denervierung

Die renale Denervierung ist ein interventioneller Eingriff, in dem über einen Katheter im Bereich der proximalen Nierenarterien bds. durch Hochfrequenz-Ablation Nerven der Adventitia durch die Gefäßwand hindurch verödet werden. Das Verfahren senkt den arteriellen Druck um ca. 15 mmHg und hat den Vorteil einer einmaligen Anwendung, die nach aktuellem Kenntnisstand für eine dauerhafte RR-Senkung ausreicht. Einschränkend ist zu bemerken, das in der Zulassungsstudie für den US-amerikanischen Markt (SYMPLICITY HTN-3) im Vergleich zur Sham-Prozedur die Signifikanz verfehlt wurde. Trotzdem ist das Verfahren in einzelnen Fällen interessant und sollte unter entsprechender Kontrolle der Wirkung weiter erforscht und angewandt werden. Ansprechpartner ist Prof. Dr. M. Buerke