Untersuchungen

Anamnese und klinische Untersuchung:

Wenn die Schilddrüse untersucht wird, wird zumeist anhand einiger Fragen eruiert, welche Beschwerden zum Arzt geführt haben, und ob diese hinweisend für eine bestimmte Schilddrüsenerkrankung sind. Der Arzt fragt meist nach Gewichtsab- oder -zunahme, ob der Hals dicker geworden ist, ob es im Hals drückt oder würgt, ob Schluckstörungen oder Atembeschwerden auftreten, nach Veränderungen der Stuhlgewohnheiten, nach Unverträglichkeit von Hitze oder Kälte und Herzrhythmusstörungen.

Überfunktion der Schilddrüse kann zu folgenden Beschwerden führen:

  • Unruhe, Nervosität
  • Neigung zum Schwitzen
  • Schneller Puls
  • Wärmeempfindlichkeit, feuchte Haut
  • Herzrasen
  • Gewichtsverlust bei gutem Appetit
  • Schlafstörungen
  • Haarausfall
  • Augenbeschwerden, wie Tränenfluss, Fremdkörpergefühl, Lichtscheuheit, Rötung und Hervortreten der Augen (beim Morbus Basedow)
  • Häufiger Stuhlgang
  • Müdigkeit
  • Muskelschwäche
  • Zyklusstörungen


Unterfunktion der Schilddrüse geht oft einher mit:

  • Leistungsminderung
  • Schwäche
  • Lethargie
  • Müdigkeit
  • Kälteempfindlichkeit
  • Antriebsarmut
  • Verstopfung
  • Gedächtnisminderung
  • Gewichtszunahme durch körperliche Untätigkeit, aber gleicher Nahrungszufuhr
  • Wassereinlagerungen, Lidschwellung
  • Trocken und blasse Haut, z. T. auch fleckig


Wichtig sind auch Vorerkrankungen, in der Vergangenheit durchgeführte Operationen der Schilddrüse und Schilddrüsenerkrankungen in der Familie. Wenn Sie schwanger sind, sollten Sie dies dem Arzt während des Gesprächs mitteilen.

Vergrößerungen der Schilddrüse werden in 3 Gruppen klassifiziert.

  • Grad I: tastbare, jedoch nicht immer sichtbare Vergrößerung der Schilddrüse
  • Grad Ia: nicht sichtbar beim Zurückbiegen des Kopfes
  • Grad Ib: sichtbar beim Zurückbiegen des Kopfes
  • Grad II: bei normaler Haltung sicht- und tastbare Vergrößerung ohne weitere klinische Zeichen
  • Grad III: deutlich sicht- und tastbare Vergrößerung der Schilddrüse mit Stauungs- und Kompressionszeichen sowie Strumen, die bis in den Brustkorb reichen.

Kehlkopfspiegelung:

Die Kehlkopfspiegelung der Stimmbandfunktion ist sowohl aus Gründen der postoperativen Qualitätskontrolle als auch, um vor der Operation bestehende Recurrensparesen zu sichern und in die Operationsindikation und operative Vorgehensweise einzubeziehen, unerlässlich. Besondere Bedeutung hat die Kehlkopfspiegelung bei Rezidiveingriffen, d. h. bei wiederholten Operationen, da die Komplikationsrate wesentlich höher ist als bei Ersteingriffen und vorbestehende Recurrensparesen nicht selten symptomlos sind.

Labor:

Schilddrüsenhormone: Zur Beurteilung der Schilddrüsenfunktion werden die Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) bestimmt. Diese beiden Werte können im Labor auf zwei verschiedene Methoden bestimmt werden: als Gesamthormomkonzentration sowie als freie Konzentrationen. Hier kommt ein wesentlicher Untersuchied ins Spiel: Ein sehr hoher Prozentsatz der Schilddrüsenhormone wird im Blut an Eiweißstoffe (hauptsächlich: TBG (Thyroxin-bindendes-Globulin) gebunden. Dieser gebundene Anteil steht dem Körper nicht als aktives Hormon zur Verfügung (wirkt also nicht). Lediglich das freie, nicht gebundene Schildrüsenhormon kann an den Körperzellen anbinden und dort seine Wirkung entfalten. Bei einer einfachen Methode bestimmt man im Blut die Gesamt-Konzentration (also das freie und das gebundene Hormon), Diese Werte werden dann als Gesamt-T4 bzw. Gesamt-T3 bezeichnet. Problematisch hierbei ist, dass viele Medikamente (v. a. die Anti-Baby-Pille) und bestimmte Zustände (v.a. Schwangerschaft, schwere Erkrankungen) die Höhe des TBG verändern können. Misst man die Gesamtkonzentrationen, erhält man dann falsch hohe oder falsch niedrige Werte. Wesentlich sicherer ist die Bestimmung der "Freien Hormonkonzentrationen", also des FT4 und das FT3. Diese beiden Werte sind gegen Einflüsse bei der Bestimmung sehr viel störunanfälliger.

TSH: Das (Thyreoidea (lat. für Schilddrüse) Stimulierende Hormon) wird von der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet und wirkt - wie der Name schon sagt - stimulierend auf die Schilddrüse.

Hohe TSH-Werte sprechen für eine Unterfunktion, niedrige TSH-Werte für eine Überfunktion. In sehr seltenen Ausnahmefällen kann auch die Hirnanhangsdrüse gestört sein und zuviel TSH produzieren (bei einem Hypophysenadenom; also einer "Überfunktion der TSH-produzierenden Hypophysenzellen) oder auch zuwenig TSH ausschütten (z.B. bei einem Hirntumor der die Hirnanhangsdrüse zerstört).

Ein erhöhter TSH-Wert (> 4,0 mE/l) stellt einen Hinweis auf eine Unterfunktion der Schilddrüse dar, ein TSH-Wert unter 0,2 mE/l kann mit einer Überfunktion der Schilddrüse zusammenhängen.

Serumkalzium: Vor jeder Schilddrüsenoperation sollte im Hinblick auf die mögliche operationsbedingte Komplikation durch Schädigung oder Entfernung der Nebenschilddrüsen eine Untersuchung der Ausgangssituation durch Bestimmung des Serum-Kalzium-Spiegels erfolgen.

Thyreoglobulin: Thyreoglobulin (Tg) ist ein Eiweißstoff, der von SD-Zellen gebildet wird. In Abhängigkeit von der Stärke von Umbauvorgängen tritt dieser Eiweißstoff in das Blut über und kann dort bestimmt werden. Die Höhe des Thyreoglobulin ist damit ein Maß dafür, ob in der Schilddrüse hohe Aktivität herrscht. Damit kann indirekt eine Aussage darüber gemacht werden, wie wahrscheinlich es ist, ob bei einem Knoten eine bösartige Entartung vorliegt. Einen Schilddrüsenkrebs ausschließen kann allerdings ein normaler Tg-Wert im Blut nicht.

Wichtigstes Einsatzgebiet des Thyreoglobulins ist allerdings die Nachsorge von Schildrüsen-Krebsen. Bei Karzinomen der Schilddrüse wird üblicherweise die komplette Schilddrüse operativ entfernt und geringe, verbliebene Reste werden danach durch radioaktives Jod (Radiojodtherapie) zerstört. Findet man später im Blut noch nachweisbare Mengen von Thyreoglobulin, muss dieses von Schilddrüsenkrebszellen stammen, d. h. irgendwo im Körper ist ein Rezidiv aufgetreten. Eine Unterscheidung, ob es sich um ein sog. Lokalrezidiv (wieder aufgetretener Krebs an der Stelle der ursprünglichen Schilddrüse), oder um Lymphknoten- oder Fernmetastasen handelt, ist durch den Tg-Spiegel allerdings nicht möglich.

Antikörper: Üblicherweise können drei verschiedene Schilddrüsen-Antikörper bestimmt werden: Anti-TPO-Antikörper (Anti-TPO-AK), Thyreoglobulin-Antikörper (Tg-AK) und TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK)

Anti-TPO-Antikörper: Dieser Antikörper, früher auch mikrosomaler Antikörper genannt, ist gegen das Enyzm "thyreoidale Peroxidase" in Schilddrüsenzellen gerichtet.

Bei bestimmten Schilddrüsenerkrankungen, die durch Störungen des Immunsystems verursacht werden, sind die Anti-TPO-Antikörper im Blut nachweisbar.

Sehr hohe Werte im Blut, treten auf bei der Autoimmunthyreoiditis (Hashimoto) und bei der Autoimmunhyperthyreose (M. Basedow). Anzumerken bleibt, dass diese Antikörper nicht bei allen Patienten im Blut nachweisbar sind; ein negativer Antikörper kann also diese Krankheiten nicht mit letzter Sicherheit ausschließen.

Thyreoglobulin-Antikörper: Der Antikörper gegen Thyreoglobulin tritt wie der Anti-TPO-Antikörper bei immunvermittelten Schilddrüsenerkrankungen auf. Er ist allerdings wesentlich häufiger negativ (also nicht im Blut zu finden), als dieser. Ist also der Anti-TPO-Antikörper bereits positiv, kann meist auf die Bestimmung des Tg-AK verzichtet werden.

Ein sehr viel wichtigerer Einsatzort ist die Bestimmung des Tg-AK in der Nachsorge und Verlaufskontrolle bei Patienten mit Schilddrüsenkrebsen. Wie oben beim Thyreoglobulin bereits angeführt, ist dieser Eiweißstoff ein sehr wichtiges Hilfsmittel um festzustellen, ob der Patient tumorfrei ist. Leider treten bei manchen Patienten die Tg-Antikörper auf. Diese Antikörper wechselwirken mit dem Labortest, sodass bei dieser (erfreulicherweise) seltenen Untergruppe von Patienten der Thyreoglobulin-Spiegel im Blut nicht verlässlich ist.

TSH-Rezeptor-Antikörper: Der abgekürzt TRAK genannte Antikörper dient zur Diagnose und zur Verlaufskontrolle einer Autoimmunhyperthyreose (Basedow). Allerdings ist bekannt, daß bei ca. 10 bis 20 % der Patienten mit einer Autoimmunhyperthyreose der TRAK negativ ist. Ein negativer TRAK schließt also einen Basedow nicht aus.

Ultraschall:

Eine ganz zentrale Rolle in der Schilddrüsendiagnostik spielt heute die Ultraschalluntersuchung (Sonographie). Diese Untersuchung macht sich die physikalischen Eigenschaften der Schallwellen zunutze, Schall wird nämlich an Geweben mit unterschiedlichem Wassergehalt unterschiedlich reflektiert, rechnerisch kann damit die Struktur des untersuchten Gebietes festgestellt werden.
Diese Untersuchung kann zuverlässig die Größe der beiden Schilddrüsenlappen bestimmen sowie knotige Veränderungen aufzeigen. Punktionen auffälligen Schilddrüsengewebes zur zytologischen Beurteilung sind sonographisch kontrolliert sicher durchführbar. Die Sonographie unterscheidet zwischen echoreichem Gewebe als Normalbefund sowie echoarmem Gewebe wie z.B. bei malignitätsverdächtigem kalten Knoten oder bei Veränderungen im Sinne eines Morbus Basedow.

Szintigraphie:

Die Schilddrüsenszintigraphie gibt Auskunft über die Funktion der Schilddrüse. Zur Durchführung der Szintigraphie wird eine kurzlebige radioaktive Substanz verabreicht, diese reichert sich in Abhängigkeit von der Schilddrüsenfunktion in der Schilddrüse an, danach wird die Radioaktivität über der Schilddrüse gemessen und wiederum rechnerisch das Bild der Schilddrüse, entsprechend ihrer Fähigkeit, die oben erwähnte Substanz aufzunehmen, rekonstruiert. Oft farbig, können hier Drüsenabschnitte unterschiedlichen Funktionszustandes mit vermehrter, verminderter oder fehlender Speicherung nachgewiesen werden. Ausbleibende Speicherung kennzeichnet in Zusammenschau mit dem sonographischen oder Tastbefund einen kalten Knoten, eine vermehrte Speicherung kann einem warmen oder heißen Knoten im Sinne einer fokalen Autonomie entsprechen.

Die Strahlenbelastung dieser Untersuchung ist niedrig und liegt unter der eines Lungenröntgens, bei Schwangeren wird man allerdings – wenn irgend möglich – die Szintigraphie auf einen Zeitpunkt nach der Geburt des Kindes verschieben. Aus den so gewonnenen Ergebnissen erstellt der Arzt den Befund.

 

Ergänzende Untersuchungen:

  • Feinnadelaspirationszytologie
    • Die Durchführung einer Feinnadelaspirationszytologie der Schilddrüse bei benigner Struma ist indiziert:
    • bei klinisch und/oder sonographisch malignomverdächtigen Schilddrüsenknoten, wenn deren Durchmesser > 1 cm ist (kleinere Knoten stellen nur in seltenen Ausnahmefällen eine Indikation zur Punktion dar)
    • bei schnellwachsenden umschriebenen Veränderungen der Schilddrüse
    •  therapeutisch als Entlastungspunktion bei großen, mechanisch wirksamen Schilddrüsenzysten
    • bei der akuten eitrigen Thyreoiditis, wenn keine Indikation zum chirurgischen Vorgehen besteht
    • in diagnostisch unklaren Fällen zur Sicherung der Diagnose einer subakuten Thyreoiditis
    • in diagnostisch unklaren Fällen bei der chronisch lymphozytären Thyreoiditis
  • Röntgenuntersuchungen
    • Die Röntgenuntersuchung des Thorax in zwei Ebenen gibt Aufschluss über größere retrosternale bzw. intrathorakale Strumaanteile. Bei klinischem Verdacht einer großen Knotenstruma kann eine Zielaufnahme der Trachea in 2 Ebenen weitere Zusatzinformationen (Trachealeinengung, -verdrängung) ergeben.
  • Kernspin oder Computertomographie bei mediastinaler bzw. dystoper Struma (wenn CT, dann ohne Kontrastmittel).