Kinaesthetics

Kinaesthetics ist die Bezeichnung für die Erfahrungswissenschaft, die sich mit Kompetenz der Bewegung als eine der zentralen Grundlagen des menschlichen Lebens auseinandersetzt.
Der Begriff Kinaesthetics kann mit "Lehre von der Bewegungsempfindung oder Bewegungswahrnehmung" übersetzt werden:

Kinaesthetics wurde von zwei amerikanischen Wissenschaftlern, Dr. Frank Hatch, Tänzer, promoviert in Verhaltenskybernetik, und Dr. Lenny Maietta, Kybernetik-Forscherin, promoviert in humaner Psychologie, entwickelt. Auf der Basis der von ihnen entwickelten Kinaesthetics Konzepte wurden im deutschsprachigen Raum über 80.000 Fachkräfte im Gesundheits- und Sozialbereich befähigt, ihre alltäglichen Bewegungen bewusster zu gestalten.

Wirkungsanalysen zeigten, dass diese Menschen

  • ihre Lern- und Kommunikationsfähigkeit verbesserten
  • die eigene Gesundheit effektiver regulieren
  • im Beruf mehr Qualität für Patienten erreichen konnten


Kinaesthetics wird in Zusammenhang mit dem Begriff "Pflege" als eine menschenwürdige Form der Interaktion zwischen den Pflegenden und den Patienten gesehen. Grundidee der Interaktion ist die Kommunikation über Berührung und Bewegung. Es geht nicht darum, den kranken, alten oder behinderten Menschen passiv durch die Anwendung von Techniken zu bewegen, sondern ihn mit Hilfe eines erweiterten Bewegungsverständnisses bei Bewegungsaktivitäten zu unterstützen, so dass eine aktive Beteiligung seinerseits ermöglicht wird.

Anwendung von Kinaesthetics:

Kinaesthetics vermittelt die Fähigkeit, Bewegung und Bewegungsempfindung als "Werkzeug" bei der Arbeit mit pflege- und unterstützungsbedürftigen Menschen einzusetzen. Pflegende sind in ihrem Pflegealltag vielfach damit beschäftigt, Menschen bei ihren Aktivitäten wie Essen, Trinken, Ausscheiden und der Mobilisation zu unterstützen. Mobilisation umfasst große, aber auch kleine, feine Bewegungen. Die Betroffenen lernen mit Kinaesthetics, ihren Körper durch Bewegung selbst zu erfahren. Dadurch werden Körperorientierung und vor allem seine Vitalfunktionen gefördert.

Wir verstehen die Mobilisation so, Menschen zu unterstützen, ihre eigenen Ressourcen zur Förderung und Erhaltung der eigenen Gesundheit benutzen zu können. Pflegende helfen Menschen, sich selbst zu mobilisieren mit dem Ziel, dieses gesundheitsfördernd zu gestalten. Dafür ist es wichtig, dem Betroffenen jederzeit die Kontrolle seines eigenen Gewichts zu ermöglichen - ihn nicht mehr zu heben.

Kinaesthetics vermittelt ein einfaches, jedoch fundiertes Verständnis der anatomischen Eigenschaften des menschlichen Körpers; das Gewicht eines Menschen kann bewegt werden ohne Heben oder Tragen. Der körperliche Kraftaufwand reduziert sich entscheidend.

Kinaesthetics gehört daher zu den Präventivmaßnahmen gegen Rückenbeschwerden in den Pflegeberufen.


Kinaesthetics ist ein von den Berufsgenossenschaften anerkanntes Handlungskonzept, um Gesundheitsschäden des Bewegungsapparates bei Pflegenden zu verhindern oder zu vermindern. Die Mitarbeiter des St. Marien-Krankenhauses Siegen werden von zwei ausgebildeten Trainerinnen für Kinaesthetics geschult und in ihrer Pflegearbeit unterstützt und beraten. Im St. Marien-Marienkrankenhaus finden regelmäßig Grund- und Aufbaukurse "Kinaesthetics in der Pflege", sowie Vertiefungstage statt. Auf Anfrage können an dieser Veranstaltung alle Interessierte sowie Angehörige von alten, kranken und behinderten Menschen teilnehmen.