Transplantation von Stammzellen

Die Medizinische Klinik III des St. Marien-Krankenhauses Siegen setzt mit der Transplantation peripherer Stammzellen eine Spezialmethode ein, die die Aussichten auf Heilung erhöht und für viele an Krebs erkrankte Personen die einzige Möglichkeit zur Behandlung bietet. Als dritte Einrichtung in Deutschland wurde die Medizinischen Klinik III für dieses Spezialverfahren nach den strengen europäischen JACIE-Normen zertifiziert. Die meisten Patienten kommen aus dem näheren Umfeld und den benachbarten Kreisen. Das Einzugsgebiet der Klinik reicht jedoch bis weit nach Hessen und Rheinland-Pfalz. Die nächsten Standorte für eine Transplantation liegen in Hagen, Wiesbaden und Marburg. Die Medizinische Klinik III ist technisch sehr gut ausgestattet und gehört zu den wenigen Kliniken, die diese komplexe Methode überhaupt durchführen können.

Die Transplantation peripherer Stammzellen stellt für eine Reihe von hämatologischen Erkrankungen eine lebenserhaltende Maßnahme dar. Um eine exzellente Qualität dieses aufwendigen und komplizierten Verfahrens zu garantieren, unterliegt der Bereich Stammzelltransplantation besonderen Anforderungen. Das höchste Qualitätskriterium ist die jetzt von unserer Einheit erlangte Zertifizierung.

Jeder Mensch besitzt eine sehr kleine Zahl von unreifen Vorläuferzellen der Blutbildung. Diese als Blutstammzellen bezeichneten Zellen haben die Fähigkeit, sich durch Teilung zu allen reifen Zellen des peripheren Blutes, nämlich rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen und Blutplättchen, weiterzuentwickeln und sich durch ständige Teilung zu vermehren. Auf diese Weise werden aus einer kleinen Zahl von unreifen Zellen täglich viele Milliarden neuer Zellen gebildet, die nach vielen Teilungsschritten am Ende ihres Reifungsprozesses in den Blutkreislauf ausgeschwemmt werden. Gleichzeitig besitzen Stammzellen die Fähigkeit sich auf ihrer sehr frühen Entwicklungsstufe ohne weitere Ausreifung zu teilen, sodass gewährleistet ist, dass immer eine etwa gleich große Zahl von unreifen Stammzellen erhalten bleibt und sich dieser Speicher im Laufe des Lebens nicht erschöpft. Normalerweise finden sich im Blutkreislauf nur sehr vereinzelt Stammzellen, die dann aber eher zufällig und wahrscheinlich nur für kurze Zeit das Knochenmark verlassen haben. Wenn man dagegen mit starken Reizen - entweder durch Gabe von blutbildenden Hormonen oder mit starken Therapeutika einwirkt - dann werden nach wenigen Tagen große Mengen von Blutstammzellen in den Blutkreislauf ausgeschwemmt. Dieser Vorgang wird als Stammzell-Mobilisierung bezeichnet. Die Blutstammzellen können dann mit Hilfe immunologischer Methoden identifiziert werden und mittels Zellseparation aus dem Blutkreislauf gesammelt werden.

Für einer Reihe hämatologischer und onkologischer Erkrankungen, wie beispielsweise Leukämien oder hochmaligne Lymphome, wurden in den vergangenen Jahren neue Hochdosis-Chemotherapien entwickelt. Diese haben das Ziel, in kurzer Zeit möglichst viele bösartige Zellen zu zerstören. Eine unerwünschte Nebenwirkung dieser sehr giftigen Hochdosistherapien, die in speziellen Fällen auch mit einer Bestrahlungstherapie kombiniert werden, besteht darin, dass gleichzeitig auch fast alle Zellen des Knochenmarks zerstört werden und die Blutbildung des Patienten sich ohne Unterstützung von außen allein nicht mehr regenerieren kann. Für die Wiederherstellung einer funktionstüchtigen Blutbildung mit der Produktion der verschiedenen Blutzellen werden daher nach der Hochdosis-Chemotherapie die vorher gesammelten und tief gefroren eingelagerten Blutstammzellen wieder aufgetaut und dem Patienten wie bei einer Bluttransfusion über eine Vene rückübertragen. Die Blutstammzellen wandern dann aus dem Blutkreislauf wieder in die Knochenmarkräume, siedeln sich dort an und beginnen nach kurzer Zeit mit der Produktion von Blutzellen. Der Einsatz der peripheren Blutstammzell-Transplantation kann dadurch die Dauer des Krankenhausaufenthaltes für die betroffenen Patienten stark verkürzen. Auch ist mit Hilfe dieses unterstützenden Therapieverfahrens der Einsatz neuer Hochdosis-Chemotherapien zur Behandlung einer Reihe hämatologischer und onkologischer Erkrankungen erst möglich.